Anonymisiert: --

Lateinschule Otterndorf

Gebäudetyp: Wohnen + Arbeiten , Bildungs- + Sportbauten

Touristische Regionen: Landkreis Cuxhaven

Adresse:
PLZ: 21762
Ort: Otterndorf

1778 bis 1782 arbeitete der Übersetzer von Homers Odyssee, Johann Heinrich Voß, als Rektor in diesem Gebäude und wohnte unweit hiervon ebenfalls in einem Fachwerkhaus 1778 erhielt Voß durch Vermittlung von Johann Georg Büsch die Stelle als Rektor der Lateinschule in Otterndorf an der Elbmündung. Er schätzte das für diese Zeit ungewöhnlich freie und liberale Land Hadeln, dessen Hauptort Otterndorf war und dessen Bewohner schon im Mittelalter Wert auf eine Lateinschule für die Bürger der Stadt und Bauern der Umgebung gelegt hatten. Im Spätsommer 1781 erkrankten Voß und seine gesamte Familie schwer am Marschenfieber. In dem Gedicht An den Wind (1780) hatte Voß schon die schlechte Wasserqualität in Otterndorf beschrieben. Diese Stadt, direkt an der Unterelbe im Einmündungsbereich des Stromes in die Nordsee gelegen, hatte ein Grundwasser mit sehr hohem Salzgehalt. Deshalb wurde oft das Trinkwasser aus höheren Gebieten, der Geest in der Wingst oder dem Westerberg, durch Fuhrgespanne für ca. 1 Taler pro Fass geliefert. Das konnten sich aber nicht alle Menschen leisten. 1782 verließ Voß mit seiner Familie den Ort.

Die ehemalige Lateinschule als Institution ist in Otterndorf seit 1445 nachweisbar und war bis 1891 in diesem Gebäude untergebracht. Das Fachwerkgerüst für den 1614 errichteten Bau stammt von dem Hamburger Zimmermann Hans Reders. Besonders charakteristisch sind neben den auf Knaggen auskragenden Balken im Obergeschoss, das weiß gestrichene Fachwerk und die ebenfalls weiß verfugten roten Backsteinausfachungen. Diese Material- und Farbkombination ähnelt den Bauernhäusern im Alten Land. Eine besondere Note geben dem Gebäude die blau gestrichenen Blendrahmen der Fenster und die ebenfalls blau lackierte Eingangstür. Blau ist die dritte Farbkomponente zwischen dem Rot des Backsteins und dem Weiß des Fachwerks und der Mauerwerksfugen.

1828 erfolgte eine Aufstockung auf der Nordseite. Außerdem wurde der Grundriss mehrfach verändert. Unabhängig hiervon ist die Latein-Schule eines der wichtigsten Zeugnisse der Renaissance-Holzbaukunst im Elbe-Weser-Raum. Seit der Sanierung im Jahr 1995 werden das Erdgeschoss von der Kirchengemeinde und die Obergeschosse durch vier Wohneinheiten genutzt.

Fotos: Christian Burmester