Anonymisiert: --

Gedenkstätte Lager Sandbostel (Museum)

Gebäudetyp: Verkehr + Sicherung

Touristische Regionen: Landkreis Rotenburg

Adresse:
Ort: Sandbostel

Die Gebäude des Lagers Sandbostel können generell sicher nicht unter dem Begriff “Baukultur” subsumiert werden. Gleichwohl gibt es hier jedoch Bauwerke, die nicht nur in bzw. mit Backstein errichtet wurden, sondern auch einem kulturellen Anspruch entsprechen. Dies gilt für die nach dem Krieg errichtete katholische Kirche.

Ende September 1939 brachte die Wehrmacht die ersten 3000 polnischen Kriegsgefangenen in das kurz zuvor, nahe des Dorfes Sandbostel eingerichtete Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlager (Stalag) Sandbostel.
Bis zur Befreiung am 29. April 1945 durchliefen mehrere Hunderttausend Gefangene aus der ganzen Welt das Lager. Ihre Behandlung war in völkerrechtlichen Verträgen geregelt, doch waren Verstöße bei allen Gefangenengruppen an der Tagesordnung.

Die meisten Lagergebäude waren einfache Holzbaracken, jedoch gab es auch Bauten aus Mauerziegeln, wie z.B. den Speisesaal und die nach dem Krieg entstandene katholische Kirche.

“1957 wurde im Notaufnahmelager für jugendliche Flüchtlinge aus der DDR an dieser Stelle, zwischen einem ehemaligen Latrinengebäude und einer ehemaligen Waschbaracke des Kriegsgefangenenlagers, die katholische St. Christopheruskirche errichtet. Südlich, also ... dort, wo sich heute der Eingang befindet, war die vom Verdener Regierungsbaurat Ernst Logemann entworfene “Notkirche” fensterlos und lediglich durch einen hervorspringenden Glockenturm strukturiert. Im Erdgeschoss des Turmes befand sich die kleine Sakristei. Die nördliche Giebelseite ... war hingegen als große repräsentative Glasfassade gestaltet. Mittig ... befand sich der Eingang in das Kirchenschiff. Im Inneren sind als Ausstattungsgegenstände die Decke aus brasilianischer Kiefer und die von Wilhelm Wagenfeld entworfenen Pendelleuchten erhalten geblieben. Ab 1974 wurde die ehemalige katholische Kirche als Lagerraum genutzt.” (Andreas Ehresmann)

Im Beisein mehrerer Überlebender und zahlreicher Angehöriger wurde am 29. April 2013, dem 68. Jahrestag der Befreiung des Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlagers (Stalag) X B Sandbostel, die Gedenkstätte Lager Sandbostel in Anwesenheit des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsminister Bernd Neumann, des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil und der niedersächsischen Kultusministerin Frauke Heiligenstadt eröffnet.

Architekt (Notkirche): Ernst Logemann
Architekt (Sanierung): Jens Wilke / Karsten Peper

Fotos: Christian Burmester